Quellen zur Geschichte der Juden in der Mark Brandenburg (1273–1347)

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Brandenburg 1, Nr. 9

Erstes Drittel 14. Jh.

Nach Bescheid des Magdeburger Schöffenstuhls für die Schöffen zu Stendal sollte der Reinigungseid auf den Tanach (up Moyses buͦch) zur Abwehr des Vorwurfs eines kapitalen Gewaltverbrechens – also schwerer Körperverletzung oder Mord – durch einen Juden an einem Christen vor der Synagoge stattfinden. Die Eideshelfer sollen jeweils zu dritt, insgesamt also zu sechst, schwören:

Des spreke wy vor eynt (1) recht: Dat, de joden de mit der kamwordighen wuden be ruch tighet unde be claghet sin scolen der wu[n]den unsculdich (2) werden vor der joden scole jowelk selve sevede mit joden, nach erme jodeschen rechte, he vore mit sines selves hant unde na dre unde echt dre alse recht is.

(1) Sic!

(2) Buchstabenstand hier eindeutig (Variante nu schuldich ist auszuschließen): vnsculdich.

Überlieferung:

Berlin, Staatsbibl. Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Ms. boruss. Fol. 481, fol. 9r, Spruch "G", Perg.

  • Stendaler Urtheilsbuch, Nr. 10, S. 49–51.
  • GJ 2, 2, S. 792;
  • Landsberger, Geschichte der Juden in der Stadt Stendal (1882), S. 174.

Kommentar:

Der rubrizierte Marker überschreibt den Spruch: von kamwordighen wu[n]den. Die Einstufung als kamwordigh gibt dabei ursprünglich die Relevanz für einen gerichtlichen Zweikampf an. Der rubrizierte Seitenvermerk markiert den Eintrag wie folgt: Wo eyn iode sic unsculdigen mach enes mordes od[er] wunden. Die Zusammenstellung mehrerer, voneinander unabhängiger Gutachten schließt – jedenfalls in der Handschrift: Up eyn orkunde, dat dit recht si, so hebbe wy unse ingheseghel an dessen bref tu rucghe gheclevet latet. Na ghodes bort dusent jar drehundert jar an deme eyn unde dritteghesten an deme achten daghe sunte Stefanes na wynachten (zitiert nach der Edition Stendaler Urtheilsbuch, S. 50). Als spätestes zu fixierendes Datum ist daher 1331 Januar 2 anzugeben.

Vgl. aus derselben Quelle auch einen Schöffenspruch zur Buße eines Christen wegen einer an Juden begangenen Körperverletzung (BR01, Nr. 66). Zu einer kurzen, äußeren Beschreibung der Archivalie siehe auch den Beitrag Ursula Winters zum Ausstellungskatalog Hanse, Städte, Bünde 2 (1996), unter Nummer 2.11.

Vgl. zum Charakter des öffentlichen Raumes des Synagogenvorplatzes auch die Anweisung, vor der Synagoge in deutscher Sprache den Eid leisten zu sollen von 1297 (BR01, Nr. 8).

(jrc.) / Letzte Bearbeitung: 10.04.2017

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg. v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2013, BR01, Nr. 9, URL: http://www.medieval-ashkenaz.org/BR01/CP1-c1-01xw.html (Datum des Zugriffs)

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