Quellen zur Geschichte der Juden in der Mark Brandenburg (1273–1347)

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Brandenburg 1, Nr. 14

1308 [vor November 1]

Ein Stadtbuch aus Frankfurt an der Oder enthält die Nennung zumindest zweier Juden: Wohl in der zweiten Hälfte des Jahres 1308 (1) bürgt ein Krämer Nikolaus für [eine Belastung auf] das Erbgut Peters, des Meiers von Wilmersdorf (2), bei dem Juden Munz in Höhe von neun Mark und bei dem Juden Jakob in Höhe weiterer 22 Mark:

Ni[colaus] institor fideiussit super hereditatem Petri prefecti de willehelmi villa, Munz judeo (3) pro IX. mar. Item Ja[cobo] judeo pro XXII marcis.

(1) Die diesen Eintrag beinhaltende Lage des Stadtbuchs ist mit Kilian-Buchmann, Frankfurt (2008), S. 82 f., auf vor 1308 November 1 zu datieren.

(2) Die Bezeichnung willehelmi villa ist möglicherweise mit Wilmersdorf zu übersetzen. Von den heutigen Orten respektive Stadt- oder Ortsteilen dieses Namens ist Madlitz-Wilmersdorf im Landkreis Oder-Spree (BRA) die nächstliegende, nicht jedoch einzige Möglichkeit.

(3) Kilian-Buchmann, Frankfurt (2008), S. 400, führt in ihrer Namensliste eine als "Willehelmus villa Munz judeo" bezeichnete Person an. Hierbei handelt es sich um eine irrige Zuordnung der attributiven Bezüge innerhalb des Eintrags.

Überlieferung:

Quelle verloren, vormals Frankfurt (Oder), Magistratsarchiv, lat.

  • Langerhans, Bruchstücke (1867), S. 36.
  • Kilian-Buchmann, Frankfurt (2008), S. 81–84 und 399 f.;
  • GJ 2, 1, S. 252;
  • Heise, Juden (1932), S. 18 und 34;
  • Köster, Frankfurt an der Oder (1928), S. 43.

Kommentar:

Der Verlust der Archivalie wird schon in GJ 2, 1, S. 252, festgehalten. Die hier gegebene Datierung folgt dem Vorschlag von Kilian-Buchmann, Frankfurt (2008), S. 81–83. Die ebd. geäußerte Auffassung zu einem möglichen Terminus post quem für die Lage des hier bearbeiteten Eintrags ist denkbar und nicht unbegründet, greift m. E. jedoch zu kurz. Eine eindeutige Datierung ist mit Kilian-Buchmann, Frankfurt (2008), S. 81 f. auszuschließen.

Dieselbe Lage nennt auch einen Schlachter Jacobus (Langerhans, Bruchstücke (1867), S. 36), dessen religiöses Bekenntnis, Herkunft und genauere Lebensumstände aber unklar sind. Allein der Hinweis auf übereinstimmendes Namensmaterial (siehe etwa BR01, Nr. 6) genügt bei hoher Verbreitung eben dieses Vornamens unter Christen und Juden gleichermaßen keineswegs, um den hier genannten Jakob als Juden zu identifizieren.

Kilian-Buchmann, Frankfurt (2008), S. 397–416, bietet einen (nicht vollständigen, teilweise zu korrigierenden) Überblick über das für Frankfurt an der Oder verfügbare Namensmaterial und berücksichtigt auch die hier vorgestellte Quelle (v. a. S. 399 f.).

Zu einem weiteren Quellenbeleg aus derselben Archivalie vgl. BR01, Nr. 92.

(jrc) / Letzte Bearbeitung: 26.06.2013

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg.v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2013, BR01, Nr. 14, URL: http://www.medieval-ashkenaz.org/BR01/CP1-c1-0294.html (Datum des Zugriffs)

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