Quellen zur Geschichte der Juden in der Mark Brandenburg (1273–1347)

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Brandenburg 1, Nr. 5

1287 Mai 16

Der frühneuzeitlichen Legende nach habe am Freitag nach Himmelfahrt 1287 (16. Mai) ein aus Freiberg in Meißen stammender Jude die Hostie aus der Pfarrkirche von Techow gestohlen. Das Verlassen des Dorfes in Richtung Pritzwalk, wo viele weitere Juden gelebt haben sollen, war ihm aufgrund göttlichen Eingreifens unmöglich. So habe er die blutende Hostie zerkleinert, unter dem Hochgericht vergraben und sei nach Pritzwalk geflüchtet. Dort sei er aufgegriffen, der Missetat überführt und hingerichtet worden. Am vermeintlichen Ort des Hostienverstecks sollen sich Wunder ereignet haben, die zur Stiftung von Wallfahrt und Kloster geführt haben sollen.

Überlieferung:

  • Schmidt, Rostocker Drucke (1888), S. 339–350;
  • CDB 1, 1, S. 463–467 (nach einer Breslauer Abschrift).
  • Quellen zur Geschichte der Juden in den Archiven der neuen Bundesländer 5, Nr. 4205, S. 328.
  • Czubatynski, Frühgeschichte (2007), S. 143 f.;
  • Strohmaier-Wiederanders, Gründungslegende (1989), S. 260 f., 265 und 270–274;
  • Lotter, Hostienfrevelvorwurf (1988), S. 528;
  • GJ 2, 2, S. 664 f.;
  • Wentz, Bistum Havelberg (1933), S. 321–324;
  • Lichtenstein, Vorwurf (1932), S. 192 f.;
  • Simon, Kloster Heiligengrabe (1929), S. 8–35;
  • Bekmann, Beschreibung 1 (1751), „Erster Theil […], IX. Kapittel“, Sp. 187.

Kommentar:

Schon Lichtenstein, Vorwurf (1932), S. 192 f., weist auf einen möglichen Kontext der Einbringung eines antijüdischen Elements in die Legende im frühen 16. Jahrhundert hin. Bereits die Erläuterungen bei Simon, Kloster Heiligengrabe (1929), S. 20 f., zielen auf eine Stärkung der Position des Klosters gerade im Ort Techow als hauptsächliche Motivation der Fixierung der Gründungslegenden und lassen an keiner Stelle Unklarheit darüber aufkommen, dass die Gründung des Klosters nur durch die Beschreibungen des 16. Jahrhunderts mit Juden und einem angeblichen Hostienfrevel in Verbindung gebracht werden können. Etwaige Schwachstellen der augenfällig konstruierten Verwicklung eines nicht näher bezeichneten Juden in die Hervorrufung der Wunderzeichen hat bereits Strohmaier-Wiederanders, Gründungslegende (1989), insbesondere S. 265, herausgearbeitet. Mit einer zaghaften Kritik an der Glaubwürdigkeit der Schilderung Bergstedt, Siedlung (2002), S. 79 f. und 86.

Der Schmidt, Rostocker Drucke (1888), S. 339–350, als Vorlage dienende Druck (durch Ludwig Dietz aus Rostock von 1521) ist womöglich mit den übrigen Beständen der Bibliothek des Halberstädter Domgymnasiums nach St. Petersburg oder Moskau verbracht worden (siehe: http://dtm.bbaw.de/HSA/halberstadta.html [letzter Zugriff: 03.04.2013]).

Hingewiesen sei an dieser Stelle auch auf eine vergleichbare Legende des 16. Jh., die eine Judenverbrennung 1247 in Beelitz bei Potsdam in Folge eines Hostienfrevels anführt, wobei jedoch jüdische Präsenz für den betreffenden Zeitraum in Beelitz nicht belegt ist. Vgl. hierzu etwa: Lichtenstein, Vorwurf (1932), S. 189–191; Regesten zur Geschichte der Juden im Fränkischen und Deutschen Reiche, Nr. 542, S. 232; Bynum, Blood (2007), S. 50–52 und S. 56.

(jrc.) / Letzte Bearbeitung: 09.05.2017

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg. v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2013, BR01, Nr. 5, URL: http://www.medieval-ashkenaz.org/BR01/CP1-c1-02c9.html (Datum des Zugriffs)

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