Das Judenschreinsbuch der Kölner Laurenz-Parochie (1273-1347)

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Kölner Judenschreinsbuch 1, Nr. 27

1279 Ende Februar

Im so genannten Judenschreinsbuch der Kölner Laurenz-Parochie wird folgendes Immobiliengeschäft in einer hebräischen Urkunde und einem lateinischen Eintrag festgehalten:

Isaak, Sohn R. Abrahams s.A. (יצחק בר׳ אברהם נ׳ע׳) und Juda, Sohn R. Meirs s. A. (יהודה ב׳ר׳ מאיר ז׳צ׳ל׳), bestätigen mit ihrer Unterschrift, dass Sara, die Witwe des Lehrers und Rabbiners R. Salomo haKohen [= Salomo von Siegen] (1) (מרת שרה אלמנת מורי׳ ה׳ר׳ שלמה הכהן), zwei Drittel des Hauses, das in der Kölner Judengasse, genannt Enggasse (ברחוב היהודים בקולוניא הנקרא אינגרגשא), zwischen den Häusern der Erben des alten R. Joels ha Levi (2) (ר׳ יואל הלוי הזקן) und R. Samuels, Sohn R. Salomos (ר׳ שמואל בר׳ שלמה), [und an fünfter Stelle neben dem Haus "Zum Mist" in Richtung Bürgerhaus] (3) steht, von Jutta, Tochter R. Salomos von Düren (Ruda) [= Judenbischof Salomo] (4) (מרת יוטא בת ר׳ שמואל מרודא), erworben hat.

ועל זה אנחנו מעידים ("Und das bezeugen wir"). [Actum anno domini m° cc° lxx octavo, in exitu februarii] (5).

(1) Namensvariante nach lateinischer Parallelüberlieferung (de Seyge). Der Name Salomo ist dort durchgestrichen und durch Samuel ersetzt worden.

(2) HaLevi über der Zeile stehend.

(3) Topographische Ergänzung nach lateinischer Parallelüberlieferung.

(4) Namensvariante und Ergänzung nach lateinischer Parallelüberlieferung. Laut Kosche, Studien, S. 27 f., ist bei der Form "Ruda" von einem Schreib- bzw. Hörfehler und daher – gegen WJ 1, Nr. 24, S. 51 – nicht von einer Identifizierung mit dem westfälischen Rüthen auszugehen.

(5) Datum des lateinischen Eintrags (Osterstil).

Überlieferung:

Köln, HASt, Schreinsbücher, Nr. 107, fol. 7v, Orig., Perg. Lat. Rückvermerk auf hebr. Urkunde: Ex morte Samuelis episcopi et Genanne uxoris super Iuttam filiam eorum, et ipsa remisit sare relicte Samuelis de Seyge.

Druck: Judenschreinsbuch der Laurenzpfarre, Nr. 138, S. 37 f.; WJ 1, Nr. 24, S. 50 f.

Literatur: Pracht-Jörns, Jüdisches Kulturerbe 5 (2005), S. 567 (mit irriger Ortsidentifizierung); Kosche, Studien (2002), S. 27 f.; GJ, 2, 2, S. 725 (mit irriger Ortsidentifizierung); Brilling, Nachweise (1959), S. 156 (mit irriger Ortsidentifizierung); Kober, Grundbuch (1920), S. 122; Keussen, Topographie 1 (1910), S. 213.

Kommentar:

Zum Kölner Judenschreinsbuch vgl. KS01, Nr. 1. Das Regest basiert primär auf der hebräischen Vorurkunde. Der lateinische Schreinsbucheintrag liefert die ergänzende Information, dass die Verkäuferin Jutta das Haus von ihren verstorbenen Eltern geerbte hatte.

(bel./mno./rba.) / Letzte Bearbeitung: 21.06.2011

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg. v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2011, KS01, Nr. 27, URL: http://www.medieval-ashkenaz.org/KS01/CP1-c1-00r4.html (Datum des Zugriffs)

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