Quellen zur Geschichte der Juden im Bistum Würzburg (1273-1347)

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Bm. Würzburg 1, Nr. 521

1336 [Juli 29 - Ende Oktober]

Johannes von Winterthur schreibt: Die so wundersame Geschichte, wie sie bislang noch nicht gehört worden ist (Nunc mirabile factum in tantum, quod a seculo non est auditum), möchte er so gut erzählen, wie er kann (… quanto melius potero, enarrabo). Im Jahre 1336, zur Zeit Papst Benedikts XII. und Kaiser Ludwigs, wurde ein Adliger (nobilis vir) in Franken (in partibus Franconiae) heimtückisch ermordet. Als dies sein Bruder vom Hospitaliterorden (ordo Hospitalariorum) (1), ein kräftiger und mutiger Mann, erfuhr, scharte er zahlreiche Männer um sich und verfolgte die Juden in jenem Lande heftigst. Um noch mehr Leute für sich zu gewinnen, agierte er auch unter dem Vorwand (sub pretextu), das Christus von den Juden zugefügte Leid zu rächen. Dies rechneten sich zahlreiche seiner Anhänger bei ihrem Tun hoch an. Nachdem bereits viele ihrer Glaubensgenossen ermordet worden waren, verpflichteten die Juden schlechte Christen gegen hohen Lohn, damit sie den Hospitaliter umbringen, was Ihnen letztlich die Rettung brachte.

(1) Beziehungen der Herren von Uissigheim zur nahe gelegenen Johanniterkommende Tauberbischofsheim sowie zur Niederlassung des Ordens in Wölchingen-Boxberg sind nicht auszuschließen.

Überlieferung:

Zürich, Zentralbib., Ms. C 114 d, S. 87 f., Orig. (14. Jh.; Autograph des Verfassers), lat., Papier; zur weiteren handschriftlichen Überlieferung vgl. Chronica Iohannis Vitodurani, S. XXXI-XXXVII.

  • Chronica Iohannis Vitodurani, S. 138 f. (dort auch auf S. XXXV-XXXVII zu älteren Editionen).
  • Haeberli, Skepsis (2009), S. 218;
  • Arnold, Arnold (2004), S. 7;
  • Rubin, Tales (1999), S. 55;
  • Grabmayer, Diesseits (1999), S. 281;
  • Arnold, Armledererhebung (1974), S. 46, 49 und 51.

Kommentar:

Zu Johannes von Winterthur und seiner Chronik vgl. ###CP1-c1-007s###. Bezüglich der Armlederpogrome in Franken erweist sich Johannes als relativ schlecht informiert. Die Datierung ergibt sich aus dem Beginn der Pogrome am 29. Juli 1336 in Röttingen; vgl. NM01, Nr. 73. Zum Verlauf der Pogrome vgl. WB01, Nr. 520. Johannes' Überlieferung steht vermutlich in inhaltlichem Zusammenhang mit der dritten Fortsetzung der Chronica s. Petri Erfordensis (WB01, Nr. 121) sowie einem Exempel eines anonymen englischen Dominikaners (vgl. WB01, Nr. 519). Letztere sehen jedoch als Ursache der Verfolgung einen Hostienfrevel, wobei nach der englischen Überlieferung der Hostienschänder durch einen Ritter getötet worden sei, den daraufhin die Juden umgebracht hätten. Schließlich habe der Papst persönlich die Erlaubnis zur Judenverfolgung erteilt.

(jmü.) / Letzte Bearbeitung: 06.01.2017

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg.v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2015, WB01, Nr. 521, URL: http://www.medieval-ashkenaz.org/WB01/CP1-c1-00dz.html (Datum des Zugriffs)

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