Quellen zur Geschichte der Juden in Westfalen

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202 Quellen in diesem Teilcorpus. Sie sehen die Quelle 101.

Westfalen 1, Nr. 101

1322 September 29, Hameln

Isaak, Sohn Bonnemes' von Oldendorf (Ysac Bunnemesonne von Oldendorpe) (1) trifft mit dem Rat der Stadt Hameln folgende Vereinbarung: Er soll Steuern zahlen (scoten), Wachtdienst verrichten (waken) und sich an den Befestigungsarbeiten der Stadt beteiligen (burwerken). Wenn er einen Rechtsbruch begeht, soll er genauso büßen wie andere Bürger (deyt he enne broke, den scal he betteren, alse en ander borgere), Eid soll er gemäß der Ratsvorgabe leisten (enne eth scal he don, [alse es] de rat over kumt). Von der Haltung von Pferden (perdeholdendes), deren Verleihung (lenendes) und der Versammlungspflicht (uppe deme hus to sittende) (2) befreit ihn der Rat. Diese Regelung gilt von Ostern (paschen) (3) an für sechs Jahre (over ses jar). Als Gegenleistung zahlt Isaak dem Rat jährlich zum Michaelstag (to sinte Michelis dage) (4) sechs Pfund Hamelner Währung (ses punt Hemelsch). Setzt man ihm Pferde [als Pfand], so kann er diese gegen Erstattung der Kosten füttern, wenn er das möchte (setme ome perde, de mach he voderen, ift he wel vor sin gelt). Seine Wohnung darf er nach Belieben wählen (dat sin mach he lenen, wor he wel ane dwanc). Seine übrigen, oben nicht ausgenommenen Bürgerpflichten soll Isaak wie jeder andere Bürger erfüllen (he scal don burlike dinc al, dat deyt eyn bur).

Anno domini Mͦ CCC XX IIᵒ [in festo] Michelis.

(1) Vermutlich das heutige Hessisch Oldendorf im Landkreis Hameln-Pyrmont. Zu Isaak und seiner Familie vgl. ggf. WF01, Nr. 176 und WF01, Nr. 177 und ggf. auch WF01, Nr. 191.

(2) Gemeint ist nach GJ 2, 1, S. 330, Anm. 25, die Dingpflicht bzw. nach Magin, Geschichte Juden Hameln (1997), S. 33, Anm. 39, die Pflicht, an auf dem Rathaus anberaumten Versammlungen teilzunehmen. Dieser Bürgerpflicht wird nur noch in den Verträgen von 1325 (WF01, Nr. 114, WF01, Nr. 113, WF01, Nr. 115 und WF01, Nr. 116) erwähnt, spätere Abmachungen enthalten sie nicht mehr (weil sie nach Einschätzung der GJ in den frühen Dokumenten nur deshalb benannt wurde, um sie von den allgemein verlangten bürgerlichen Pflichten abzugrenzen, und ihr späterer Ausschluss keiner gesonderten Hervorhebung bedurfte).

(3) Wohl Ostern des Jahres 1323, also am 27. März 1323. Die Angabe steht auf doppeltem Raum einnehmender Rasur. Möglicherweise war zunächst ein früherer, näher an das Michaelisfest fallender Termin ins Auge gefasst worden.

(4) 1322 September 29.

Überlieferung:

Hameln, StadtA, Best. 190, Nr. 1, S. 95, Nr. 256, Orig., dt., Perg.

  • UB Hameln 1, Nr. 199, S. 135 f.
  • Historisches Handbuch Niedersachsen (2005), S. 700 f.;
  • Magin, Geschichte Juden Hameln (1997), S. 19, 23 und 33, Anm. 39;
  • GJ 2, 1, S. 324 f., 328, Anm. 9, 330, Anm. 23 und 25, 331 f., Anm. 30, 332, Anm. 33, und 333, Anm. 36 und 39.

Kommentar:

Zum Donat vgl. WF01, Nr. 37.

(jde.) / Letzte Bearbeitung: 03.05.2016

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg. v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2015, WF01, Nr. 101, URL: http://www.medieval-ashkenaz.org/WF01/CP1-c1-00ka.html (Datum des Zugriffs)

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