Quellen zur Geschichte der Juden in Westfalen

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202 Quellen in diesem Teilcorpus. Sie sehen die Quelle 150.

Westfalen 1, Nr. 150

[zwischen 1336 und 1341]

Ein aus Westfalen stammender Jude und seine Frau leben in Safed in Galiläa: In capite huius maris (1) versus aquilonem est altissimum (2) et fortissimum castrum cum villa simul Iaphet (3) vocatum, quo temporibus meis (4) judaeus de partibus Westphaliae (5) cum uxore sua habitabat.

(1) Gemeint ist der See Genezareth.

(2) In der Berliner Handschrift steht altum, ebenso in der Edition.

(3) Japhet bzw. Japhed ist zweifellos identisch mit Safed; vgl. GJ 2, 2, S. 881, Anm. 7 mit Hinweis auf Braslavsky, L'heqer Artzenu (1954), S. 131 f. Möglicherweise war Safed, bevor es im 16. Jahrhundert zu einer Hochburg sefardischer Gelehrter wurde, bereits im Spätmittelalter eine beliebtes Ziel für aschkenasische Gelehrte, von denen einige wieder nach Mitteleuropa zurückkehrten; zu Letzteren vgl. Haverkamp, Juden in Deutschland und Italien (2012), bes. S. 119-122 (mit weiterführender Literatur).

(4) Ludolf weilte von 1336 bis 1341 im Orient; vgl. Ludolphi Liber, S. 1.

(5) Mit dem in früheren Editionen als Suchem verlesenen Suthem in der Diözese Paderborn, als dessen rector ecclesiae sich Ludolf selbst bezeichnete (rector ecclesiae parochialis in Suchem, Paderbornensis diocesis) ist Sudheim gemeint. Wahrscheinlich kam er erst nach 1350 dorthin, war aber als Angehöriger der Osnabrücker Kirche auch schon zuvor in Westfalen beheimatet.

Überlieferung:

Erfurt, Universitäts- und Forschungsbibliothek, CA. 4° 393, fol. 60v-61r, Abschr. (um 1380), lat., Papier; Berlin, Staatsbib. Preußischer Kulturbesitz, ms. Diez. C. f. 60, fol. 32r (Ende 14. Jh.); zur weiteren handschriftlichen Überlieferung und zu Inkunabeln vgl. Halm, Reiseberichte (1994), S. 36-40.

  • Ludolphi de itinere terrae Sanctae liber, S. 97.
  • WJ 1, Nachträge, Nr. 11, S. 266 f.
  • GJ 2, 2, S. 881;
  • Röhricht, Pilgerreisen (1900), S. 90.

Kommentar:

Der um 1350 abgefasste Bericht Ludolfs, Pfarrers von Sudheim, über seine von 1336 bis 1341 unternommene Reise ins Heilige Land wurde häufig rezipiert: Weit über 50 Handschriften und Inkunabeln seines Werks sind überliefert; vgl. Halm, Reiseberichte (1994), S. 36-44. Die von Deycks als Grundlage seiner Edition herangezogene und zusammen mit der Erfurter wohl älteste erhaltene Handschrift des Liber itinere terrae sanctae der sogenannten Paderborner Fassung aus der Berliner Staatsbibliothek (beide um 1380) enthält die Schilderung von der Begegnung mit den westfälischen Juden. Bei der Paderborner Fassung, die Bischof Balduin von Paderborn (1341-1361) gewidmet war und demzufolge zwischen 1350 und 1361 entstanden sein muss, handelt es sich wahrscheinlich nicht um die ursprüngliche Fassung, da noch vier Manuskripte existieren, deren Text eine Widmung zugunsten Bischof Gottfrieds von Osnabrück (1321-1349) enthält, der 1349 den Osnabrücker Bischofsstuhl zugunsten der Bremer Metroplitanwürde (1348-1359) aufgab. Die ältere Osnabrücker Fassung wie auch einige jüngere Versionen der Paderborner Fassung enthalten die relevante Textpassage nicht; vgl. Schnath, Sinaipilger (1964), S. 468 f. Zu Ludolf von Sudheim vgl. Bulst-Thiele, [Art.] Ludolf (1987), Sp. 984-986; Schnath, Sinaipilger (1964).

(jmü.) / Letzte Bearbeitung: 14.06.2017

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg. v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2015, WF01, Nr. 150, URL: http://www.medieval-ashkenaz.org/WF01/CP1-c1-029b.html (Datum des Zugriffs)

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