Quellen zur Geschichte der Juden in Westfalen

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202 Quellen in diesem Teilcorpus. Sie sehen die Quelle 172.

Westfalen 1, Nr. 172

[um1340], Hannover

In Hannover wird zwischen den Knochenhauern und den Juden eine Vereinbarung getroffen (Aldus is ghedeghedinghet tvischen den knokenhoweren unde den joden), wonach die Juden keinerlei Vieh schlachten und zerlegen sollen mit Ausnahme der unter ihnen gefeierten Hochzeiten. Zu diesem Zweck wird ihnen gestattet, Vieh zu kaufen und zu schlachten (dat de joͮden nenerhande quek slan scullet oder snyden, od en were, dat se hochtyd hedden; darto moghen so quek kopen unde slan). Ihnen geschenktes oder selbst aufgezogenes Vieh dürfen sie jederzeit schlachten und zerteilen (werd on ok quek ghegheven oder ted se quek sulven, dat moghen se slan unde snyden, won od on evene kumpt). Auch ist es ihnen erlaubt, Lämmer, Böcke und Kälber zu ihrem Bedarf zu schlachten und die rituell unreinen Stücke zu verkaufen (ok moghen se Iammere, hokene unde sochkalvere snyden to oreme behove, wonne se willet; wod on des unrecht is, dat moghen se verkopen).

Ferner haben die Knochenhauer bestimmt (Des hebbet de knokenhowere ghewillekored), dass die Juden für ihren Bedarf in den Häusern der Fleischhauer Vieh schlachten und zerteilen dürfen, ohne dafür eine Abgabe zu entrichten (dat in oren husen de juͦden quek moghen snyden unde slan sunder gave unde vordeghedinghe, wod se des behovet). Die Teile des Schlachtviehs, die rituell rein sind, dürfen die Juden kaufen, wenn sie können; was sie davon aber nicht kaufen, das soll von den Knochenhauern an drei Verkaufständen bei Albertes Haus Jonas (1) angeboten werden, damit die gemeinen Juden es dort für "Pfennigwerte" erwerben können (is dat oc den joden recht is, so moghen se od kopen, icht se kunnet; wad se aver des nicht en koften, dat scholde [Sic!] de knokenhowere vele hebben uppe dren leden bi Albertes hus Jonas, dat ot dar de menen joͮden kopen moghen bi pennyghwerden). (2) Wer diese Vereinbarung bricht, seien es Christen oder Juden, dem soll vom Rat eine Buße auferlegt werden (we hir an beydenthalven an breke, od weren kersten oder joͮden, de scholden dat beteren na des rades ghenaden).

(1) Eine nicht näher bestimmbare Ortsangabe.

(2) Demnach handelte es hier höchstwahrscheinlich um Vieh, das im Besitz der Knochenhauer war. Das Fleisch wurde nach ritueller Schlachtung durch Juden zum Teil gleich vor Ort - möglicherweise an die an der Schlachtung beteiligten Juden - verkauft, zum Teil von den Knochenhauern portionsweise an bestimmten Verkaufsständen jüdischen Kunden zum Kauf angeboten.

Überlieferung:

Hannover, StadtA, 1 AA 3, Nr. 8310, S. 318, Orig., lat., Perg.

  • Fiedeler, Mittheilungen (1876), Nr. 62, S. 24.
  • Jochum, Studien (2012), S. 83-85;
  • Historisches Handbuch Niedersachsen (2005), S. 728;
  • Stadtbücher und Register, S. 104;
  • GJ 2, 1, S. 338;
  • Jürgens, Vergangenheit (1928), S. 194.

Kommentar:

Der Eintrag stammt aus dem Bürgerbuch der Stadt und datiert auf die Zeit um 1340; vgl. Fiedeler, Mittheilungen (1876), S. 1 f. Zum Bürgerbuch vgl. Stadtbücher und Register, S. 103-105.

(jde.) / Letzte Bearbeitung: 03.05.2016

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg. v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2015, WF01, Nr. 172, URL: http://www.medieval-ashkenaz.org/WF01/WF-c1-002i.html (Datum des Zugriffs)

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