Quellen zur Geschichte der Juden im Bistum Worms (1348-1390)

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Bm. Worms 2, Nr. 6

1349 [März 1]

Der Chronist Matthias von Neuenburg berichtet, dass sich im Rahmen der Judenpogrome im Reich sowohl in Speyer als auch in Worms die Juden in einem Haus versammelt und sich selbst verbrannt hätten. (1) Man befand, dass sie alle Arten von Verbrechen begangen hätten, nämlich der von ihnen zu Spanien beschlossenen Giftanschläge, der Tötung zahlreicher Knaben, der Urkundenfälschung und Münzverfälschung, des Diebstahls und vieler anderer Taten, die Gott beleidigten: Spire autem et Wormacie iudei in una domo congregati combusserunt se ipsos. Et inventi sunt quasi omnia maleficiorum genera comisisse, scilicet in Hispania habito per eos dudum consilio de veneficiis convenisse, item de nece multorum puerorum, de falsis litteris et corruptione monetarum, furtis et aliis multis, que offendebant altissimi maiestatem. (2)

(1) Zur Datierung der Verfolgungen von Worms (1349 III 1) und Speyer (1349 I 10 oder 24) vgl. GJ 2, 2, S. 779 und 923; Haverkamp, Judenverfolgungen (1981), S. 36f., und Cluse, Zur Chronologie (2002), S. 231.

(2) Die Schilderung der Ereignisse zu Worms und Speyer steht im Kontext einer umfangreichen Darstellung der Pestverfolgungen durch Matthias von Neuenburg (

Überlieferung:

Bern, Burgerbibliothek, Cod. 260, fol. 283r, Abschr. (14. Jh.), lat., Perg.; zu den verschiedenen, teilweise voneinander abweichenden Handschriften vgl. Sprandel, Studien (1988), in Verbindung mit der Einleitung der Edition von Hofmeister, S. VIII-X.

Kommentar:

Zu Matthias von Neuenburg und seiner Chronik vgl. ###CP1-c1-00kk###. In einer - möglicherweise durch Franz Berthold von Flersheim - in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erweiterten Fassung der Wormser Chronik Friedrich Zorns von 1570 findet sich eine Randnotiz zum Pogrom des Jahres 1348, die im Wesentlichen auf dem Bericht Matthias' von Neuenburg basiert. Im Unterschied zu Matthias ist in der Chronik nicht die Rede von den Verbrechen, derer man die Juden für schuldig befand, sondern davon, dass bei ihnen viel belastendes Material gefunden worden sei (viel boser stück hinder in) (Worms, StadtA, Best. 1 B 5, fol. 103v; Wormser Chronik, S. 138). Zur Wormser Chronik Friedrich Zorns vgl. ###CP1-c1-006j###.

(Jörg R. Müller) / Letzte Bearbeitung: 05.10.2020

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg. v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2020, WO02, Nr. 6, URL: http://www.medieval-ashkenaz.org/WO02/CP1-c1-006i.html (Datum des Zugriffs)

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