Quellen zur Geschichte der Juden im Bistum Worms (1348-1390)

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Bm. Worms 2, Nr. 7

1349 März 29, Speyer

König Karl (Karle) [IV.] bekundet, dass er wegen des Dienstes, den der Rat und die Bürger zu Worms (Wormessen) ihm und dem Reich oft und in mannigfaltiger Weise erwiesen haben und auch künftig erweisen mögen, sowie wegen des großen offenbaren Schadens, den sie in diesem Dienst erlitten haben, wofür ihnen seine Liebe und Ehre gebührt [, folgende Gnade erweist] angesichts dessen, was in ihrer Stadt den Juden und der Judenheit (iudischeit) zu Worms geschehen ist. Diese verbrannten einschließlich ihrer Besitztümer (die miedenander verbrant unde vergangen sint bede an libe unde an guͦte), (1) was der Stadt und den Bürgern ohne ihre Schuld stark geschädigt hat (daran die selben, statd [!] unde burger, groszlichen geschadiget sint ane ir schult), wie Karl erfahren hat (als wir daz wol verhort unde vernomen hant). Dieses Geschehen beziehungsweise diese Taten verzeiht der König für sich und seine Nachfolger und verzichtet auf alle Güter [der Juden,] die den Wormser Bürgern während des Brandes und danach zufielen oder noch zufallen werden, seien es nun Immobilien oder sei es Fahrhabe (uffe alles daz guͦt, daz in, den selben burgern von Wormeszen, in dem brande unde nach dem brande worden were oder noch werden moͤhte, ez si ligende oder varende), so dass weder Karl selbst noch jemand anderer nun oder in Zukunft jemals, mit oder ohne Gerichte, diesbezüglich Forderungen an die Wormser Bürger richten werden. Da sich der König wohl bewusst ist, dass sie das doch nicht für ihren großen Verlust entschädigt (sie ires grossen schaden da mitde doch niht ergetzet moͤgent werden), übergibt er aufgrund seiner königlichen Gewalt für sich und alle seine Nachfolger den Bürgern und der Gemeinde zu Worms zu ihrem Stadtnutzen die Häuser, Hofstätten, den Grund und Boden und die Baulichkeiten [der Juden] mit allem, was der Judenschaft zu Worms ingesamt oder einzeln gehörte (die iuden húsere, hofestetde, boden unde bu unde alles, daz der selben iudescheit zuͦ Wormessen gemeinlichen oder sunderlichen zuͦ gehoͤrete), unabhängig davon, worum es sich in der Wormser Stadt oder Vorstadt dabei handelt (wie die guͦt genant sint in der statd oder in der vorstatd zuͦ Wormssen gelegen). Damit dürfen die Wormser künftig ohne Widerspruch des Königs oder von sonst jemandem tun und lassen, was sie wollen (duͦn unde lassen nach allem irme willen). Der Aussteller will zudem, dass die Urkunden, die er den Wormsern vormals über die Juden und Judenheit in Worms ausgestellt hat, wortwörtlich und ohne jede Ausnahme durch Recht oder Gewohnheit ihre Gültigkeit behalten (sunder allerleie excepcion rehtes oder gewonheide).

Ankündigung des königlichen Siegels.

[…] geben […] zuͦ Spire, da man zalte von Gotes gebuͤrte druzehen hundert iar und darnach in dem núne unde vierzigesten iare, an dem sunnentage, so man singet Iudica in der vasten, in dem dritden iare unserre riche. (2)

(1) Gemeint ist der Pogrom vom 1. März 1349; vgl. GJ 2, 2, S. 923.

(2) Der Inhalt dieser Urkunde wurde auf Bitten der Wormser am 28. August 1378 von König Wenzel in Nürnberg konfirmiert (WO02, Nr. 85).

Überlieferung:

Worms, StadtA, Best. 1 A I, Nr. 156, Orig. (A 1) (Digitalisat), dt., Perg.; ebd., Nr. 228 (B) (Transsumpt König Wenzels vom 28. August 1378) (Digitalisat); Darmstadt, Best. StA, C 1 A, Nr. 147, fol. 9r/v (Abschr., 18. Jh.) (C).

Kommentar:

Die Urkunde ist auch erwähnt in einer (durch Flersheim?) erweiterten Fassung der Wormser Chronik Friedrich Zorns aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts (Worms, StadtA, Best. 1 B 5, fol. 103v).

(Gerd Mentgen) / Letzte Bearbeitung: 02.10.2020

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg. v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2020, WO02, Nr. 7, URL: http://www.medieval-ashkenaz.org/WO02/WO-c1-0003.html (Datum des Zugriffs)

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