Judensiegel in Aschkenas (1273-1347)

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Judensiegel 1, Nr. 33

[vor 1336 September]

Alternativtext

Foto: Ersteller (Aufnahmedatum). Titel, Beschreibung. Rechte: Rechteinhaber. Quelle: Herausgeber. Nutzungsbedingungen. URL.  [1 / 3]

Typar des Trierer Juden Muskinus (Mosche ben Jechiel) (II):

Umschrift links: * S'(IGILLVM) MVSKINI . IVD(EI) [ ]; Umschrift rechts: [ ] [משה ב''ר יחי[אל (Moses, Sohn Herrn Jechi[els] [ ]).

Überlieferung:

Trier, Rheinisches Landesmuseum, Inv.-Nr. 93, Nr. 160, lat.

  • Clemens, Beobachtungen (2004), S. 173 f.;
  • Von den Brincken, Judensiegel (1963/64), S. 422.

Kommentar:

Beschreibung: Das Typar wurde zerschlagen; Dm: 23 mm (Typar); Material: Messing; Form: rund.

Siegelbild: Ein stilisierter Baum mit Wurzeln und Ästen in einem Rundpass, auf ihm sitzend rechts und links jeweils ein Paradiesvogel, sich vom Lebensbaum ernährend. Die Flächen innerhalb des Rundpasses sind mit weiteren Drei- und Vierpässen geziert.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit lässt sich der ehemalige Besitzer des Siegelstempels identifizieren: Zwischen 1325 und 1348 sind zehn siegelnde Juden der Trierer Gemeinde namentlich bekannt, darunter Muskinus, der im früheren 14. Jh. zu den bedeutendsten Trierer Juden gehörte. Zeitweilig war er in der Finanzverwaltung des Trierer Erzbischofs Balduin (1307-1354) tätig. Er wurde auch als dessen negociator bezeichnet und bei seinen vielfältigen Geschäften zeitweise von seinem jüdischen 'Knecht' Baruch unterstützt. Darüber hinaus trat er in Rechtsgeschäften als Repräsentant der jüdischen Gemeinde auf. Muskinus verstarb im September 1336. Sowohl der Fundort des Siegels im Bereich des Trierer Judenfriedhofs als auch die bewusste Zerstörung des Siegels lassen vermuten, daß die Petschaft aus seinem Grab stammt. Unbrauchbar gemachte Typare sind auch in christlichen Gräbern deponiert worden. Im Arenbergischen Archiv im belgischen Enghien hat sich eine Urkunde von 1330 V 11 für den Adligen Wilhelm von Manderscheid erhalten, deren Aussteller, der Trierer Jude Muskinus, diese mit einem anderen Siegel beglaubigt hat (JS01, Nr. 21). Die Siegelumschrift ist zweisprachig - lateinisch und hebräisch -, doch lassen sich nur einzelne Buchstaben erkennen. Das Siegelbild zeigt einen Blätter tragenden Baum im Wappenschild. Zwar ist bereits auf den ersten Blick deutlich zu erkennen, dass der Siegelabdruck nicht von dem auf dem Viehmarkt gefundenen Typar herrühren kann, dennoch ist auffällig, dass beide Siegel im Bildfeld einen Baum zeigen, offenbar das persönliche Zeichen des Sieglers. So ist es durchaus möglich, dass beide Siegel nacheinander oder parallel für unterschiedliche Rechtsgeschäfte von ein und derselben Person benutzt wurden, ein Vorgang, der nicht ungewöhnlich ist.

Es ist kein Abdruck des Typars überliefert. Vgl. zu Muskinus Haverkamp, Juden inmitten der Stadt (1996), S. 487 f. und Ders., Erzbischof (1985), S. 469-472.

(lcl./chj./ale.) / Letzte Bearbeitung: 04.12.2016

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg.v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2014, JS01, Nr. 33, URL: http://www.medieval-ashkenaz.org/JS01/CP1-c1-007b.html (Datum des Zugriffs)

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