Quellen zur Geschichte der Juden in Westfalen

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202 Quellen in diesem Teilcorpus. Sie sehen die Quelle 28.

Westfalen 1, Nr. 28

1299 Dezember 1, bei Toul

König Albrecht I. von Habsburg rügt den Judenrat und sämtliche Dortmunder Juden (magistratui iudeorum ac universis iudeis Tremoniensibus), da sie seinen Anordnungen nicht gefolgt seien, als er den Schutz über sie und die Stadt Dortmund Erzbischof Wikbold von Köln wegen seiner Verdienste mit Zustimmung der Fürsten anvertraut hatte. Sie sollten niemandem außer dem Erzbischof irgendwelche Gelder geben. Dennoch hätten die Juden, wie ihm berichtet wurde, so große und schwere Zahlungen geleistet (exactiones satis magnas et etiam adeo graves), dass einige von ihnen ihren Wohnsitz verlegt hätten (quod quidam ex vobis se a mansionibus suis ad loca alia transtulerunt). Dabei hätten gewisse Menschen mit Gewalt eben diese Zahlungen erpresst (quibusdam per vim easdem [exactiones] extorquentibus). (1) Nicht nur den Juden seien dadurch schwere Unzuträglichkeiten (non solum vobis incommoda et dampna gravia) entstanden, sondern auch dem Reich und dem Erzbischof. Deshalb hat der König beschlossen, dass niemand [außer dem Erzbischof] für sich das Recht an den Gütern und Personen der Juden anmaßen soll (ne quisquam alius sibi ius vendicat in bonis et personis vestris). Wenn die Juden dem nicht Folge leisteten, würde er diese als Rebellen und Verächter seiner Befehle betrachten (tamquam rebelles et nostri mandati contemptores) und entsprechend bestrafen.

Datum apud Tullum kalendas decembris anno domini millesimo ducentesimo nonagesimo nono, indictione XIII, regni vero nostri anno secundo.

(1) Aus dem Schreiben Albrechts I. an die Stadt Dortmund vom 2. Dezember 1299 geht hervor, dass es sich um Auswärtige aus der Grafschaft Mark (extranei de comitatu de Marka), also wahrscheinlich Dienstleute des Grafen von der Mark, der selbst Rechte über die Dortmunder Juden beanspruchte, handelte (WF01, Nr. 30).

Überlieferung:

Köln, HAStadt, Best. 210, U 1/653, Orig., lat., Perg.

  • Kosche, Studien (2002), S. 137 f., Anm. 49 f. (Teildruck);
  • WJ 1, Nr. 40, S. 64 f.;
  • DUB 1, Nr. 268, S. 181 f.;
  • WUB 7, Nr. 2557, S. 1229 f.;
  • Koppmann, Dortmund (1867), S. 96 f.;
  • UB zur Geschichte des Niederrheins 2, Nr. 1039, S. 613, Anm. 1 (Teildruck).
  • REK 3, 2, Nr. 3705, S. 259;
  • DUB, Erg. Bd. 1, Nr. 400, S. 163;
  • Urkunden-Archiv der Stadt Köln 2, Nr. 657, S. 42;
  • Dortmunder Statuten, S. CXXXIV;
  • Regesten zur Geschichte der Juden in Deutschland, Nr. 113, S. 18;
  • RI (alt) 1246-1313, Nr. 234, S. 216.
  • Kosche, Studien (2002), S. 30, 55 f. und 137 f.;
  • GJ 2, 1, S. 171;
  • Rübel, Geschichte (1917), S. 326;
  • Maser, Dortmund (1911/12), S. 6 f.;
  • Rösel, Reichssteuern (1910), S. 339 f.;
  • Jewish Encyclopedia 4 (1903), Sp. 641;
  • Dortmunder Statuten, S. CXXXIV;
  • UB zur Geschichte des Niederrheins 2, Nr. 1039, S. 613, Anm. 1.

Kommentar:

Die Ausfertigung des Briefes ist ebenso wie ein weiteres Schreiben an die Dortmunder Juden (WF01, Nr. 29) vom selben Tag und eines an die Stadt Dortmund (WF01, Nr. 30) vom darauffolgenden Tag, aber auch wie das vorangehende Schreiben vom 18. Oktober an die Dortmunder Juden (WF01, Nr. 27) im Historischen Archiv der Stadt Köln überliefert, so dass davon auszugehen ist, dass der König jeweils eine Ausfertigung für den Kölner Erzbischof und für die Dortmunder Juden ausgestellt hat.

(dia.) / Letzte Bearbeitung: 29.06.2018

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg. v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2015, WF01, Nr. 28, URL: http://www.medieval-ashkenaz.org/WF01/WF-c1-001w.html (Datum des Zugriffs)

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