Quellen zur Geschichte der Juden im Bistum Konstanz (1273-1347)

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Bm. Konstanz 1, Nr. 77

1309 Februar 7, Buchhorn

Die Brüder Hugo [IV.] und Albrecht [I.], Grafen von Werdenberg (Hugo et Alberthus fratres de Werdenberch comites), bekunden, dass sie mit Zustimmung ihrer Mutter Euphemia [Witwe Graf Hugos II. von Werdenberg] (cum consensu expresso ac consilio spectabilis domine Ofime matris nostre) sowie ihres abwesenden Bruders Heinrich [II.] (et quocumque nomine censeantur nomine nostro et Hainrici fratris nostri in absentia […] pro nobis et pro fratre nostro predicto Hainrico) (1) und wegen großer Schulden, von denen sie sich nicht anders befreien können (Cum itaque nos oppressi essemus gravibus et intolerabilibus honeribus debitorum, quibus tam in obstagiis obsidum quam in usuris gravia dampna et intolerabilia acreverunt et ab eisdem non possemus, nisi per venditionem possessionum nostrarum aliquatenus liberari), mehrere ihrer Besitzungen an den Abt Johannes und das Prämonstratenserkloster Weißenau (Johannes divina permissione abbas ac conventus monasterii augee minoris, ordinis premonstratensis, Constanciensis dyocesis) verkaufen. Zu den verkauften Gütern gehören alle gräflichen Besitztümer in den Orten Untereschach (Äschach inferiorem) und Oberzell (Cella), zwei Huben in Metzisweiler (Oezzilinswiller), zwei Huben in Reute und Ellenweiler(Rúti, quarum una superior et altera inferior appelatur) (2), sowie alles Eigentum im Ort Berg (Monte superiori et inferiori) (3). Insgesamt handelt es sich um eine Summe in Höhe von 304 Mark Silber und einem Vierdung Konstanzer Gewichts sowie fünf Schillingen Konstanzer Münze (pro trecentis et quatuor marcis argenti et uno fertone ponderis Constanciensis et quinque solidis monete Constanciensis). Die Grafen geben an, dieses Geld zur Ablösung ihrer hohen Schuldenlast zu verwenden, welche durch Zinsen bei Juden und durch Geiseln im Einlager unerträglichen Schaden verursacht habe (Peccuniam vero premissam nos a prefatis .. abbate et .. conventu recipisse integraliter confitemur ipsamque in nostram utilitatem evidentem fore conversam videlicet in exhonerationem debitorum nostrorum, quibus apud iudeos in usuris et apud obsides in obstagiis dampna intolerabilia acreverunt).

Euphemia, Hugo [IV.] und Albrecht [I.] besiegeln die Urkunde.

Datum et actum Buͦchorn (4), […] anno domini MᵒCCCᵒ nono, feria sexta proxima post festum Purificationis beate virginis, indictione septima.

Es zeugen Friedrich, Abt des Benediktinerklosters Weingarten, .. der Propst des Klosters in Hofen (preposito monasterii in Hoven), .. dicto Manstok und Heinrich von Ibach, beide Priester des Klosters Weingarten, Markward von Schellenberg d. Ä., dessen Neffe Markward von Schellenberg d. J., Johann von Bodman, Rudolf von Rorschach, Heinrich Mundschenk von Ittendorf, Ritter Beringer von Landenberg, Albert Mundschenk, Kirchlehrer in Bermatingen, die Brüder Heinrich und Ulrich Schacher, .. von Hohenfels (de Hohenvels) und .. der Sohn des Vogtes von Undingen (5). Danach folgen eine Reihe Ravensburger Bürger: Konrad Humpis, Ammann zu Ravensburg, Konrad Wolfegger, Konrad Trollen, Konrad genannt Nadeler, Heinrich Gottfried, die Brüder Otto und Johann Otten, .. ein Friedel Genannter, die Brüder Friedrich und Konrad Holbein, Hermann Reginald und seine Söhne Hermann und Heinrich, Johann Blaser, Konrad Sötillin, Magister Konrad Selzli, der Arzt Hermann Hüteler, Friedrich Kusspfennig, Johann Guldin, Notar der Brüder Ulrich und Markward von Schellenberg, Johann Heller, Werner Gottfried, Jakob Selzli, Bürger zu Ravensburg, Alwig, Ammann zu Buchhorn, Hermann Muris, Bürger zu Buchhorn, Konrad Richter, Bürger zu Buchhorn, Konrad von Schnetzenhausen, Bürger zu Buchhorn, et aliis pluribus fide dignis.

Rückvermerk:

1) Instrumentum super Celle et huͦbas ibidem et inde Rùti super Montibus superiori et inferiori, Elinswiler, Ni[derwiler] ac Oberwiler (14./15. Jh.); 2) Instrumentum super Zelle et huͦbarum ibidem et inde Rúti super Montibus superiori et inferiori (14./15. Jh.); weitere neuzeitl. Rückvermerke.

(1) Vgl. KN01, Nr. 81.

(2) Demgemäß nach dem Rückvermerk; entsprechend auch LUB 1, 5, Nr. 199, S. 244-247, und UB der südlichen Teile des Kantons St. Gallen 2, Nr. 1019, S. 183, Anm. 7.

(3) Der Bearbeiter von LUB 1, 5, Nr. 199, S. 244-247, sieht darin Niederweiler und Oberweiler; dagegen UB der südlichen Teile des Kantons St. Gallen 2, Nr. 1019, S. 183, Anm. 8, deutlich vorsichtiger mit Verweis auf zahlreiche Ortschaften mit dem Namensbestandteil 'Berg' in der Nähe von Ravensburg.

(4) Das heutige Friedrichshafen.

(5) Vermutlich Undingen, Ortsteil der Gemeinde Sonnenbühl auf der Schwäbischen Alb. LUB 1, 5, Nr. 199, S. 244-247, gibt ohne Angabe von Gründen Fridingen an der Donau an. Zudem wäre das deutlich näher gelegene Fridingen bei Singen wahrscheinlicher.

Überlieferung:

Stuttgart, HStA, Best. B 523 I, U 1533, Orig., lat., Perg.

(Michael Schlachter) / Letzte Bearbeitung: 29.07.2020

Zitierhinweis

Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, hg. v. Alfred Haverkamp und Jörg R. Müller, Trier, Mainz 2020, KN01, Nr. 77, URL: https://www.medieval-ashkenaz.org/KN01/KN-c1-001m.html (Datum des Zugriffs)

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